Gefangen in Brasilien - Die Ronnie-Biggs-Story Drucken

 

Ronald Arthur Biggs wurde am 08.08.1929 in Lambeth, einem Vorort von  London geboren und war Mitglied der berühmten Räuberbande, die an Biggs 34stem Geburtstag (08.08.1963) den königlichen Postzug von Glasgow nach London durch ein manipuliertes Gleissignal zum Stehen brachte und ausraubte. Die Räuber erbeuteten 120 Geldsäcke mit 2,6 Mio. Pfund. Das wären heute etwa 30 Millionen Pfund und war bis dahin die größte je in Großbritannien erbeutete Summe. Der Überfall ging als der große Zugraub in die Geschichte Großbritanniens ein.

 

Der große Postraub

Zunächst gab es keine Spur von den 15 bis 18 Räubern, doch nach intensiver Suche fand Detective Chief Superintendent Jack Slipper, Slipper vom Yard genannt, der die Ermittlungen leitete schließlich doch Fingerabdrücke in einem Bauernhof unweit der Überfallstelle an der Bridego Eisenbahnbrücke in Ledburn und konnte bald darauf 13 Bandenmitglieder verhaften.
Es stellte sich heraus, dass Biggs als Mitglied der sogenannten Fulham-Boys von den eigentlichen Räubern und Planern des Überfalls um Bruce Reynolds und Ronald Edwards angeheuert wurden. Bis zu diesem Überfall hatte Ronnie Biggs unauffällig als Zimmermann in Redhill in Surrey gelebt; für Einbrüche und kleinere Delikte, die er mit seiner Bande begann, wurde er bis dahin nicht zur Rechenschaft gezogen.

 

Verurteilung und Flucht nach Brasilien

Im Jahr 1964 wird Biggs mit seinen Mitangeklagten zu 30 Jahren Gefängnis verurteilt, kann jedoch nach 15 Monaten im Gefängnis von Wandsworth mit drei Mitgefangenen fliehen. Sie klettern mithilfe einer Strickleiter über die etwa sechs Meter hohe Mauer und springen auf das Dach eines bereitstehenden Möbelwagens. In seinem Dach ist ein Loch, durch das sie dann ins Innere gelangen.
Biggs flieht mit seiner Familie nach Australien, mit einem Zwischenstopp in Paris, wo er sich gefälschte Papiere besorgt und sein Gesicht verändern lässt. Nach weiteren zehn Jahren in der Nähe von Melbourne flieht Biggs 1974 alleine nach Rio de Janeiro in Brasilien.

Im selben Jahr reist auch Slipper vom Yard nach Brasilien und will Biggs, der glaubt seine Story an eine Zeitung verkaufen zu können, dort verhaften. So einfach gelingt die Verhaftung jedoch nicht, da sich die brasilianische Regierung gegen die Auslieferung stemmt. Sie erwartet, dass bei gleichem Sachverhalt auch Verbrecher aus Großbritannien nach Brasilien ausgeliefert würden, dem stimmt London jedoch nicht zu. Außerdem sprach gegen eine Ausweisung, dass Biggs mit der Stripperin Raimunda de Castro ein Kind erwartete, den späteren Sohn Michael. Auf Slippers Heimreise entsteht das berühmte Foto in der Daily Mail, dass ihn schlafend mit einem freien Nebenplatz im Flugzeug zeigt.

 

Biggs in Rio de Janeiro, Brasilien

Von den ursprünlich 148.000 Pfund, die Biggs erhalten haben soll, ist zu diesem Zeitpunkt schon nichts mehr vorhanden. Da er jedoch als Verbrecher eingestuft wird, darf er in Brasilien auch nicht arbeiten und verdient so Geld mit Werbung für Alarmanlagen, den Verkauf von T-Shirts und Kaffeetassen mit seinem Konterfei darauf, sowie mit seiner Frühstücksgesellschaft zusammen mit Rottweiler Blitzkrieg. Der spätere Versuch Sohn Michael im Musikbusiness unterzubringen scheitert.
Biggs selber jedoch hat einen Gastauftritt in der Sex-Pistols-Dokumentation von 1980 und nimmt 1978 mit der britischen Punkband das Album „The Great Rock ‚n’ Roll Swindle“ und das Lied „No one is innocent“ auf. Dreizehn Jahre später, 1991, nimmt er wieder ein Lied auf, diesmal mit den Toten Hosen aus Düsseldorf. Es heißt „Carnival in Rio“ und erscheint auf deren Album „Learning English – Lesson One“. Die Punkrocker und der Zugräuber feiern außerdem gemeinsam dessen 62. Geburtstag in Rio de Janeiro.

 

Rückkehr nach England

Die Flucht des Ronald Arthur Biggs endet am 07.05.2001 nach 37 Jahren mit seiner Rückkehr nach England. Biggs, inzwischen 71 Jahre alt, verbrachte 27 Jahre in Brasilien und ließ dort seinen Sohn Michael und die Enkelin Ingrid zurück, als er zusammen mit Bruce Reynolds aus gesundheitlichen Gründen Brasilien verließ – freiwillig, übrigens, wie es aus seiner Erklärung bei der brasilianischen Polizei hervorgeht.
Eine Zeitung bezahlt noch den Flug in einem Privatjet als Gegenleistung für die Exklusivrechte, doch wieder auf britischem Boden schlägt die Justiz gnadenlos zu und Biggs wird sofort inhaftiert. Heute schwer krank, wurden seine Gnadengesuche bisher immer abgelehnt.

 

Aktuelles zu Ronnie Biggs

Nachtrag: Am 06.08.2009 meldet die dpa aus London, dass Ronnie Biggs nun doch begnadigt wird. Wie Justizminister Jack Straw mitteilte, sei der Grund dafür Bigg's schlechter Gesundheitszustand. Der Minister revidiert damit die Entscheidung von Anfang Juli des Jahres 2009. Der Bankräuber erlebt somit seinen 80sten Geburtstag wieder in Freiheit.