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Die Legende von El Dorado, dem Vergoldeten

 


Im Andengebiet Kolumbiens lebte zur Zeit der ersten Entdecker ein Volkstamm, der Muisca genannt wurde. Jedes Mal wenn ein neuer Regent des Muisca-Volkes seine Herrschaft begann, kam es zu einer eindrucksvollen feierlichen Handlung, der im Jahre 1636 erstmals auch ein Spanier als Augenzeuge beiwohnte. Der daraus entstandene Bericht begründet die Legende von El Dorado, dem Goldmann, und sorgte für den Tod unzähliger Indianer, nicht nur im heutigen Kolumbien. Der Spanier schrieb über den Inthronisationsritus:


Am Guatavita-See bauten die Indianer ein Floß aus Schilf. Darauf stellten sie vier Räucherpfannen mit brennendem Weihrauch. Die Sonne wurde vom Rauch verdunkelt. Sie zogen den Prinzen aus und rieben ihn mit klebriger Erde ein. Sie überschütteten ihn mit Goldstaub, so dass er über und über mit Gold bedeckt war. Nun führten sie ihn auf das Floß, auf dem bereits vier der obersten Häuptlinge, alle mit Federn, Kronen, Armbändern, Ohrringen und Anhängern aus purem Gold geschmückt, warteten. Der Prinz blieb regungslos stehen und die Indianer häuften zu seinen Füßen große Berge von Gold und Smaragden an, die er seinem Gott opfern sollte. Das Floß legte vom Ufer ab und das Volk begann mit Trompeten, Flöten und Gesang so zu musizieren, dass es von den Bergen wiederhallte. In der Mitte des Sees angekommen, hisste man eine Flagge und es kehrte Stille ein. Das Opfer begann. Der vergoldete Indianerprinz warf den ganzen Haufen Gold ins Wasser des tiefen Sees und die Häuptlinge folgten seinem Vorbild.
Danach zog man die Fahne ein und während das Floß wieder auf das Ufer zusteuerte, erklang erneut der Gesang und die Musik. So wurde der neue Regent in sein Amt eingeführt und als König anerkannt.

 

 

Es sind Augenzeugenbericht wie dieser oder Erzählungen von Abenteurern, die mehr Konquistadoren nach Süd- und Mittelamerika trieb, beseelt vom Traum nach unermesslichen Mengen Gold. Es dauerte nur 50 Jahre nach der Entdeckung Amerikas durch Columbus, bis die stolzen Völker der Azteken und Inka durch die Spanier unter Cortez und Pizarro ausgelöscht wurden. In Kolumbien gründeten die Eroberer in den Häfen Santa Marta und Cartagena Handelsposten, von wo aus sie Expeditionen ins Landesinnere unternahmen und zum Beispiel die reichen Gräber des Sinú-Stammes ausräuberten. 1539 erkämpften sich drei Gruppen von Europäern den Weg in das Hoheitsgebiet der Muisca-Indianer und gründeten die Stadt Bogotá ganz in der Nähe der Indianerhauptstadt.

 
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