Start Peru Geschichte Perus Die Moche - die ersten Opfer von El Nino?
Die Moche - die ersten Opfer von El Nino?

 

Die Gegend um das Moche-Tal im Norden des heutigen Peru ist besonders für Historiker und Archäologen von großer Bedeutung. Hier wurden einzigartige Funde gemacht, welche die Entwicklung und den Wissensstand südamerikanischer Kulturen in einem ganz neuen Licht erscheinen lassen und etwas Glanz von den Inkas nehmen. So haben die ehemals im Tal ansässigen Völker der Moche-Kultur, auch Mochica genannt, und deren Nachfolger, die Chimú, Technikkenntnisse, wie sie in Europa erst viel später bekannt waren. So waren die Moche Meister der Metallverarbeitung und konnten sogar schon Legierungen herstellen, was in Europa erst in zum Ende des 18. Jahrhunderts möglich war! Auch die Stellung der Frau in der Gesellschaft war unterschiedlich, wie das Herrscherinnengrab von Cao beweist.

 

Die Hochkultur vor der Inka-Zeit

Die Kultur hat seinen Namen von dem Fluss Moche und entwickelte sich im ersten Jahrtausend nach Christus zu einer der großen Prä-Inka-Kulturen in Südamerika. Die Herrscher dieses Volkes ließen die größten Bauten des alten Südamerika errichten, die Adobepyramiden Huaca del Sol und Huaca de la Luna, die Sonnen- und Mondpyramiden. Ihr zeremonielles Zentrum lag in der Gegend um die heutige Stadt Trujillo. Die Gegend ist heute eine Küstenwüste. Um so erstaunlicher ist es, dass sich ausgerechnet hier eine frühe Hochkultur entwickeln konnte.
Die Moche verfügten über umfangreiche Techniken zur Bewässerung und Terrassierung von Feldern. Über ausgeklügelte Verteilungssysteme wurde das Wasser aus dem Andenhochland auf die Wirtschaftsflächen verteilt. Entsprechende Temperaturen ermöglichten dann mehrfache Ernten. Das Volk kannte zahlreiche Kulturpflanzen, züchtete Geflügel und eine besondere Art von angepassten Lamas und trieb mit der Überproduktion Handel. Die Nahrungsgrundlage war Mais, - die Bierherstellung aus Mais, das so genannte Chicha, war natürlich ebenfalls bekannt, -  aber auch Bohnen, (in einer Höhle in der Umgebung wurden die ältesten Bohnen, mit einem Alter von 10.000 Jahren gefunden) Kartoffeln, Kürbis und Getreide wurden angebaut, genauso wie Erdnüsse und Baumwolle.

 

Das keramische Bilderbuch der Moche-Kultur

All diese Erkenntnisse stammen hauptsächlich von zahlreichen Ausgrabungen in Peru im Verbreitungsgebiet der ehemaligen Moche-Kultur. Ihre Perfektion bei der Herstellung von Keramikwaren ist unübertroffen und bietet zahlreiche Einblicke in das Leben des frühen Kulturvolkes. Leider sind es auch genau diese Töpferwaren, die neben den Goldbeigaben seit Jahrzehnten Grabräuber und Schatzgräber anlocken. Diese wiederum zerstören damit zahlreiche archäologische Hinweise auf die ehemalige Hochkultur. Dennoch kann man auf einen reichhaltigen Fundus bei der Enträtselung der Fragen um die Moche zurückgreifen. Bekannt sind besonders die Steigbügelgefäße mit ihren lebensnahen Darstellungen von Tieren und Pflanzen, Ritualen, Kriegen und Göttern, Alltäglichem und Szenen aus dem Sexualleben. Insbesondere die erotischen Porträts versetzen manchen modernen Menschen in Erstaunen. Gibt es in alten Kulturen oftmals phallische Darstellungen und deutet man diese gewöhnlich als Fruchtbarkeits- oder Lebenssymbol, so tun sich Forscher bei den Moche etwas schwerer, da dort häufig auch homosexuelle Handlungen dargestellt werden. Die Keramiken, die in zahlreichen Ausgrabungen zu Tage gefördert wurden, sind teilweise schon in einer frühen Massenproduktion mit Tonmodeln erstellt worden. Bei einigen Töpfen kann man noch die Klebenähte zwischen den zwei Hälften erkennen.

 

Der Moche-Staat und seine Rituale

Die gesellschaftliche und hierarchische Gliederung des Moche-Staates lässt zwar noch Fragen offen, man weiß jedoch, dass es unabhängige Städte mit eigenen Herrschern und ihren Priestern gab. Auch Opferrituale hatten die einzelnen Herrschaftsgebiete gemein. So gibt es Fundstellen mit unzähligen Skeletten, die Tötungsspuren aufweisen. Häufig wurden Menschen geopfert, um von den Göttern Regen zu erbitten. Woher diese Opfer stammen, lässt sich aktuell noch nicht sicher nachweisen. Es könnten Angehörige der eigenen Sippe gewesen sein, die zum Beispiel bei rituellen Spielen oder Kämpfen als Verlierer hervorgingen, aber auch Gefangene aus kriegerischen Auseinandersetzungen mit anderen Moche-Siedlungen. Es wurden Opfer aller Altersklassen und jeden Geschlechts gefunden. Es gibt jedoch auch Hinweise auf Keramiken, dass das Priesteramt nicht ausschließlich in Männerhand war, sondern auch Frauen diese Aufgabe gekleideten.

 

Das Ende einer Hochkultur in Südamerika

Die blutigen Opferrituale sollen nach Meinung einiger Forscher am Ende der Kultur zu deren Untergang entscheidend beigetragen haben, da die Priester bei ausbleibendem Regen immer mehr Opfer für die Götter brachten und so gleichzeitig die Leistungsträger der Gesellschaft vernichteten. Wahrscheinlich führte jedoch hauptsächlich eine Klimaveränderung, bzw. -schwankung zum Untergang der Moche-Kultur. Durch „El Nino“ kam es über mindestens 30 Jahre zu starken Regenfällen im Gebiet des Moche-Flusses, wodurch die Bewässerungsanlagen zerstört wurden. Diese wären jedoch in der Jahrzehntedauernden Dürre, die dann folgte, besonders wichtig gewesen und so konnte kein Überschuss mehr produziert werden und die großen Zentren mussten aufgegeben werden, bzw. wurden in Kriegen und bürgerkriegsähnlichen Auseinandersetzungen um die verbliebenen Ressourcen  vernichtet. Zwar lassen sich noch kleinere Siedlungen nachweisen, aber die spektakulären Funde der Hochkultur bleiben ab dem 7. Jahrhundert nach Christus aus.

 
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